St.Margrethen · Geschichte

Schule anno dazumal in St. Margrethen

Heute ist der Schulbesuch eine Selbstverständlichkeit, doch der Weg dorthin war eine echte Geduldsprobe. Die Anfänge des Schulwesens in St. Margrethen erzählen von Zeiten ohne Schulzwang, in denen Handwerker als Lehrer einsprangen, das Schulgeld in Naturalien bezahlt wurde und die Kinder im Winter das Holz zum Heizen der rauchigen Schulstube selbst mitbringen mussten.

Neues Schulhaus Rosenberg
Neues Schulhaus Rosenberg, St.Margrethen — 1908 Kat.-Nr. S-0685

Spurensuche im alten Pfarrarchiv

Genaue Gründungsberichte über die erste Schule in St. Margrethen sind heute nur noch spärlich vorhanden. Ein offizieller Meilenstein findet sich jedoch in einem Manuskript der evangelischen Kirchgemeinde aus dem Jahr 1697. Dort ist die Trauung von Jörg Künzler vermerkt, der stolz als „Schulmeister“ betitelt wird.

Dass es schon viel früher eine Form von Unterricht gegeben haben muss, belegen alte Dokumente ab 1421: Lokale Amtsschreiber und Hofammänner besassen nachweislich umfassende Lese- und Schreibkenntnisse, die sie kaum auf auswärtigen Schulen erworben haben dürften.

Ein besonders wertvolles Dokument von 1815 stammt aus der Feder von Pfarrer Joh. Heinrich Fäsi – einem Vetter des berühmten Schweizer Pädagogen Heinrich Pestalozzi. In seinem 15-seitigen, eng beschriebenen Schulbericht hielt er tiefgründige soziale Details fest. Er berichtete unter anderem von bitterer Armut: Manche Kinder konnten die Schule schlichtweg nicht mehr besuchen, weil die Eltern keine Kleider für das heranwachsende Kind aufbringen konnten. In solchen Notlagen sprang damals die Kirchenvorsteherschaft helfend ein.

Winterschulen, Handwerker und rauchige Zimmer

Vor rund 150 Jahren war der Schulbetrieb auf dem Land meilenweit vom heutigen Standard entfernt. Es wurden sogenannte „Halbjahresschulen“ oder Winterschulen geführt. Im Sommer gab es schlicht keinen Unterricht, da alle Kinder für die bäuerlichen Hilfsarbeiten auf den Feldern und in den Ställen gebraucht wurden. Da es noch keine Lehrerbildungsanstalten gab, bewarben sich oft kaum des Lesens und Schreibens mächtige Handwerker um die Stelle des Schulmeisters. Das Rechnen kam dabei selten über eine primitive Stufe hinaus.

„Ein einziges kleines Zimmer für sieben Schulklassen und Holzscheite statt Hausaufgaben – so hart war die Schulbank im alten St. Margrethen.“

Ein geregeltes Einkommen gab es für die Lehrer kaum. Die Eltern mussten ihren Kindern wöchentlich ein bescheidenes Schulgeld mitgeben, das eher einem kargen Trinkgeld oder dem Verdienst eines einfachen Taglöhners entsprach. Nicht selten wurde das Schulgeld mangels Bargeld in Naturalien entrichtet.

Zum Erwärmen der Schulstube mussten die Kinder zudem das benötigte Holz von zu Hause mitbringen. Bei ungünstiger Witterung schlug der Rauch des Ofens regelmässig in das Zimmer zurück, was den Unterricht unerträglich machte. Da kein Schulzwang bestand, war die Disziplin mangelhaft: Viele Kinder kamen regelmässig zu spät, schwatzten eifrig oder blieben dem Unterricht ganz fern, weil viele Eltern der Meinung waren: „Die Hauptsache ist beten und arbeiten.“

Von den ersten Schulstuben zur Moderne

Die ersten Unterrichtsstunden wurden mangels eigener Gebäude in einfachen Privathäusern durchgeführt. Später erhielten die evangelischen Kinder zwei eigene Schulräume mit separatem, rückwärtigem Eingang direkt im alten evangelischen Pfarrhaus. Die katholischen Schulgenossen erwarben ab 1808 das sogenannte „Schuelhüsli bim Bad“. In diesem kleinen, dürftigen Häuschen unterrichtete ein einziger Lehrer sage und schreibe sieben Schulklassen gleichzeitig, zu denen später auch noch die Ergänzungsschule zählte. Dieses historische Gebäude musste schliesslich 1960 dem Bau des neuen Gemeindehauses weichen.

Um das Jahr 1800 zählte St. Margrethen gerade einmal 993 Einwohner, aufgeteilt in 803 Protestanten und 190 Katholiken. Es gab keine Eisenbahn, keine Trottoirs und der Verkehr vollzog sich auf holperigen, oft aufgeweichten Strassen im Schein von Talglicht oder Kerzen. Seit jener entbehrungsreichen Zeit hat das Grenzdorf in Sachen Bildung, Technik und Lebensqualität Schritte gemacht, die sich die Menschen von damals wohl kaum hätten erträumen lassen.

Dazu passende Karte
Neues Schulhaus Rosenberg Zur Karte →