Fotografen-Dynastie  ·  seit 1885

Die Fotografen-Dynastie Labhart

Das visuelle Gedächtnis von Rorschach. Fast ein ganzes Jahrhundert lang hielten Vater Paul und Sohn Hans Labhart das Leben, die Menschen und den Wandel der Hafenstadt am Bodensee auf Glasplatten und Negativen fest.

Das Tageslicht-Atelier der Fotografen Labhart in Rorschach, 1919
Das Tageslicht-Atelier der Familie Labhart, Rorschach — 1919 Archiv 1page · Original-Abzug

„Sonntag ist’s! In heil’ger Ruhe …“

Handschriftliche Notiz auf dem Abzug — aufgenommen an einem Sonntag

Wer an historische Aufnahmen, Postkarten und Porträts aus Rorschach denkt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Labhart. In Rorschach galt ihr Name über drei Generationen hinweg schlichtweg als Synonym für Fotokunst.

Erste Generation

Paul Labhart

1859 – 1919
Der kunstsinnige Pionier

Die Geschichte beginnt mit Paul Labhart, geboren am 25. Januar 1859 in Steckborn (TG). Er studierte ursprünglich an der Badischen Kunstschule und arbeitete als Kunstmaler in München, bevor er seine Leidenschaft für die noch junge Fotografie entdeckte.

Im Jahr 1885 gründete er schliesslich das Fotoatelier Labhart & Mange. Durch seinen künstlerischen Hintergrund hatte er ein unbestechliches Auge für Komposition, Licht und Ästhetik.

Neben meisterhaften Porträts zog es ihn immer wieder hinaus auf die Strassen, um das pulsierende Leben — wie die Markttage in den 1890er-Jahren — dokumentarisch einzufangen. Als bedeutender Stadtfotograf begründete er eine eigene Dynastie von Porträtfotografen. Nach seinem Tod am 24. Januar 1919 in Rorschach hinterliess er ein solides Fundament für das Rorschacher Bildarchiv.

Zweite Generation

Hans Labhart

1887 – 1975
Der grosse Porträtist

Sein Sohn Hans Labhart trat in die Fussstapfen des Vaters und führte das Atelier mit derselben Leidenschaft und Akribie bis ins Jahr 1972 weiter. Ganz Rorschach ging bei ihm ein und aus:

Lebensmomente
Ob Verlobte, Hochzeitspaare, Erstkommunikanten, Konfirmanden oder stolze Jubilare — wer etwas auf sich hielt, liess sich im Atelier Labhart ablichten.
Das Handwerk
Mit unendlicher Geduld positionierte er seine Kunden im Tageslicht-Atelier, richtete die Beleuchtung ein und verschwand unter dem grossen schwarzen Tuch seiner Fachkamera. Wer während der Belichtungszeit wackelte, war für ein unscharfes Bild selbst verantwortlich.
Die Postkarten
Ausserhalb des Ateliers dokumentierte er unermüdlich die Entwicklung der Stadt und verkaufte die Ansichten an lokale Papeterien. In späteren Jahren schuf er daraus die berühmten, persönlich signierten Fotoalben „Alt Rorschach“.
Vom Glasnegativ ins Museum

Die Labharts durchlebten die gesamte technische Evolution der Fotografie — von den nassen Kollodium-Glasplatten über Trockenplatten bis zu den modernen Filmrollen.

Nach der Übergabe des Ateliers wurde das unschätzbare Archiv vom Fotografen Windlin weiterverwaltet. Nach dessen Tod 1979 vermachte seine Witwe den riesigen Schatz aus tausenden historischen Glasplatten — genau wie von Hans Labhart gewünscht — dem Museum im Kornhaus Rorschach, wo diese Zeitzeugnisse bis heute gehütet werden.

Das Fotoatelier im Detail
Innenaufnahme des Fotoateliers Labhart mit Fachkamera, Sofa und Vorhängen

Das historische Tageslicht-Atelier der Fotografen Labhart

Eine seltene Innenaufnahme des originalen Ateliers in Rorschach (aufgenommen an einem Sonntag, wie die handschriftliche Notiz verrät). Der Raum besticht durch seine grosse, schräge Glas-Dachfront zur Nutzung des Tageslichts. Bereitgestellt sind historische Fachkameras auf Holzstativen, verhüllt mit schwarzen Tüchern, sowie edle Sitzmöbel und Vorhänge als Porträt-Hintergründe.

Kategorie
Gewerbe & Tourismus
Motiv / Sujet
Fotoatelier Labhart, Rorschach
Aufnahme
um 1919