Der komfortable Zweckbau unter der Festung
Im Mittelalter war eine „Vorburg“ ein funktionaler Zweckbau, der einer Hauptburg vorgelagert war. In St. Margrethen lag dieses Schlossgut ein gutes Stück unterhalb der auf einem schmalen Felsausläufer thronenden Feste Grimmenstein. Für die Burgherrschaften war das Leben hier in Friedenszeiten wesentlich angenehmer und komfortabler als in den kalten, dicken Mauern der eigentlichen Festung, die meist nur in Zeiten akuter Gefahr bezogen wurde.
Vom Schlossherrn zum Raubritter
Nach der Zerstörung der Burg Grimmenstein im Jahr 1416 nahm das Leben des letzten Schlossherrn, Georg II. von Enne, eine wilde Wendung: Völlig verarmt und hoch verschuldet schlug er sich jahrelang mit seinen Kumpanen als Raubritter durch die Region. Später zog er nach Preussen, um dem Deutschen Ritterorden im Kampf gegen Polen beizustehen, und beendete seine abenteuerliche Laufbahn schliesslich um 1436 deutlich ruhiger als stellvertretender Hofrichter im deutschen Rottweil.
„Wo einst die Ritter im Frieden residierten, fand die Geschichte nach fast 600 Jahren wieder zu ihrem eigenen Namen zurück.“
Ein Schloss im Besitz St. Galler Patrizier
Das Schloss Vorburg selbst ging bereits 1418 durch Kauf an die Stadt St. Gallen über und erlebte in den folgenden Jahrhunderten eine lange Reihe prominenter Besitzer. Es gehörte dem Heiliggeist-Spital, den einflussreichen St. Galler Patrizierfamilien Reutlinger, Zyli und Schlumpf sowie der Familie von Vallär aus Fideris. Deren historische Grabtafel mit dem markanten Familienwappen kann man noch heute an der Bergmauer gegenüber dem Eingang des alten Kirchleins bewundern.
Ein historischer Kreis schliesst sich
Nach vielen weiteren Handwechseln kam es 1947 zu einer der charmantesten Anekdoten der Schlossgeschichte: Mit dem Kauf durch Josef Vorburger ging das Schlossgut nach fast 600 Jahren wieder in den Besitz eines Nachkommen jenes alten St. Margrether Geschlechts über, das einst seinen Namen von genau dieser Vorburg hergeleitet hatte. Urkundlich war diese Verbindung bereits um 1370 erstmals erwähnt worden, als ein gewisser „Haintzen uff der Vorburg“ eine Wiese unterhalb der Burg erwarb. So schloss sich nach Jahrhunderten ein wahrhaft historischer Kreis im Rheintal.