St.Margrethen · Geschichte

Hotel Bahnhof in St.Margrethen

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Hotel Bahnhof im beschaulichen St. Margrethen zu einem Ort von europäischer Bedeutung. Als schützender Zufluchtsort bot das Haus von Pius Zäch und seiner Frau unzähligen vertriebenen Europäern einen ersten Moment des Friedens nach Jahren des Leidens. Das hoteleigene Gästebuch entwickelte sich in dieser bewegten Zeit zu einem einzigartigen, tief berührenden Dokument gelebter Menschlichkeit.

Hotel Restaurant Bahnhof mit alter Scheune beim Pärkli
Hotel Restaurant Bahnhof mit alter Scheune beim Pärkli, St.Margrethen — 1950 Kat.-Nr. S-0578

Ein Bahnhofshotel von europäischer Bedeutung

Bahnhofshotels gibt es in fast jeder Schweizer Stadt – doch das Hotel Bahnhof in St. Margrethen erlangte durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs eine ganz besondere, europäische Berühmtheit. In einer Zeit, in der das Rheintaler Grenzdorf zum Schicksalsort für Zehntausende Verfolgte und Flüchtlinge wurde, öffnete das Hotel unter der Leitung des engagierten Hoteliers Pius Zäch und seiner Gattin, Frau Zäch-Apostoli, seine Türen als sicherer Hafen in einer unsicheren Welt.

Ein erster Moment der Ruhe

Für unzählige dankbare Menschen aus allen Ländern Europas wurde der Aufenthalt im Hotel Bahnhof zu einem echten Wendepunkt und „Erholungstag“. Nach Jahren des Leidens, der Flucht und des Krieges fanden die Gestrandeten hier, getragen von der sprichwörtlichen Schweizer Gastfreundschaft und Sauberkeit, einen ersten Moment der tiefen Ruhe und des Durchatmens.

„Ein Schweizer Tag ... ein schöner Tag, an dem das Gästebuch zum Dokument der erlösten Menschlichkeit wurde.“

Das Gästebuch als historisches Dokument und ein Gruss von Richard Strauss

Die Spuren dieser bewegten Ära spiegeln sich eindrücklich im Gästebuch des Hauses wider, das sich zu einem wahren „document humain“ entwickelte. Neben anerkennenden Worten von Generälen, Ministern und hohen Diplomaten der kriegführenden Staaten enthält es unschätzbare persönliche Widmungen. Ein besonderer Höhepunkt ist der Eintrag des berühmten Komponisten Richard Strauss: Er widmete der Hoteliersgattin am 10. Oktober 1945 handschriftlich die ersten Takte des Walzers aus seiner weltbekannten Oper «Der Rosenkavalier» als Autogramm.

Emotionale Wiedersehen und ein Erbe der Menschlichkeit

Die wohl emotionalsten Zeilen des Buches stammen jedoch von einer Mutter. Sie widmete dem Hotel ein rührendes Gedicht, nachdem sie dort – mitten im Chaos der Nachkriegszeit – ihre totgeglaubte, einst von der Gestapo entrissene Tochter im erwachsenen Alter wiedersehen durfte. Das hervorragend geführte Hotel, das damals für seine erstklassige Küche bekannt war und über modernen Komfort wie fliessendes Wasser, Zentralheizung und Bäder verfügte, bleibt durch dieses Gästebuch und das unermüdliche Wirken des Ehepaars Zäch als ein zeitloses Ehrenbuch der Menschlichkeit in Erinnerung.

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