St.Margrethen · Geschichte

Die katholische Kirche am Rosenberg

Durch den rasanten Einzug der Industrie um die Jahrhundertwende platzte St. Margrethen plötzlich aus allen Nähten – und das alte, ehrwürdige Kirchlein wurde viel zu klein für die wachsende Gemeinde. Mit dem Bau der monumentalen Kirche am Rosenberg im Jahr 1910 schuf der renommierte Kirchenbaumeister Albert Rimli ein neues, weithin sichtbares Wahrzeichen, dessen mächtige Glocken bis heute eine ganz besondere Geschichte erzählen.

Nahansicht Schulhaus Rosenberg und katholische Kirche
Nahansicht Schulhaus Rosenberg und katholische Kirche, St.Margrethen — 1932 Kat.-Nr. S-0540

Platznot im Zeitalter der Industrie

Seit der gezielten Industrieansiedlung um die Jahrhundertwende stieg die Einwohnerzahl der Gemeinde St. Margrethen rasant an. Das alte Kirchlein auf dem Hügel war für die stark anwachsende Bevölkerung schlicht zu klein geworden. Allein im 19. Jahrhundert, von 1800 bis 1900, hatte sich die Zahl der katholischen Einwohner von 190 auf 447 mehr als verdoppelt – und ein Ende des Wachstums war nicht in Sicht.

Ein neues, wesentlich grösseres Gotteshaus musste her. Als idealer Bauplatz wurde ein Areal etwas über der Ortsebene gewählt, unweit des zwei Jahre zuvor errichteten Rosenberg-Schulhauses. Dieser Standort passte perfekt zur fortschreitenden Überbauung des oberen, südöstlichen Gemeindegebietes. Entworfen wurde die Kirche von dem damals weithin bekannten Frauenfelder Kirchenbau-Architekten Albert Rimli. Im Jahr 1910 konnte das harmonisch ins Landschaftsbild eingefügte Bauwerk feierlich eingeweiht werden.

Gotische Fenster und ein gigantisches Geläute

Wer die Kirche betritt, blickt in einen wohlproportionierten, hellen Innenraum. Chor, Schiff und die grosse Empore werden durch mächtige, gotische Kirchenfenster prachtvoll erhellt. Ein architektonisches Highlight verbirgt sich am Turm: In etwa vier Fünftel seiner Höhe besitzt das Mauerwerk einen offenen, balkonartigen Rundgang, der eine spektakuläre Fernsicht auf den Bodensee und die angrenzenden Uferstaaten bietet.

„Ein monumentaler Koloss von 72 Zentnern auf dem Rosenberg – erbaut, als das alte Kirchlein für die vielen Neuzuzüger zu klein wurde und der Friedhofsfels keine Gräber mehr zuliess.“

Im Turm selbst schlägt das akustische Herz der Kirche: Ein stolzes Geläute aus fünf Glocken, die alle die Jahreszahl 1922 tragen und mit kunstvollen Reliefbildern sowie gegossenen Inschriften verziert sind. Die grösste von ihnen ist ein wahrer Koloss und wiegt stolze 72 Zentner (3,6 Tonnen). Sie zeigt eine Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit mit dem lateinischen Text „GLORIA PATRI ET FILIO ET SPIRITUI SANCTO“. Auf der zweitgrössten Glocke prangt ein Reliefbild der Kirchenpatronin, der heiligen Margaretha, versehen mit der Bitte „ST. MARGARETHA ORA PRO NOBIS“ (Heilige Margaretha, bitte für uns).

Wenn der Fels die ewige Ruhe stört

Mit dem rasanten Wachstum der Lebenden stieg im Laufe der Zeit leider auch die Zahl der Verstorbenen – und das brachte die Gemeinde vor ein ganz unerwartetes, geologisches Problem. Der alte katholische Friedhof oben auf dem Hügel beim alten Kirchlein war nicht nur viel zu klein geworden, unter der dünnen Erdschicht lag auch massiver Fels. Die staatlich vorgeschriebene Grabestiefe konnte dort schlichtweg nicht mehr erreicht werden.

Die Verantwortlichen mussten handeln: Ab dem Jahr 1916 wurde deshalb die Ebene an der Südseite der neuen Rosenbergkirche als Friedhof genutzt. Aufgrund der stetig wachsenden Bevölkerung wurde diese Anlage im Jahr 1957 nochmals erheblich erweitert. Die heutige Friedhofsanlage entspricht nun vollends den modernen Vorschriften des Staates, den kirchlichen Verordnungen und den strengen Weisungen des Heimat- und Denkmalschutzes.

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