Ein europäisches Pionierprojekt im Rheintal
Der Bau des Gaswerks St. Margrethen im Jahr 1902 war für die damalige Zeit ein geradezu unglaubliches Wagnis. Während Gaswerke zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast ausschliesslich grosse Städte versorgten, ging man im Rheintal einen revolutionären Weg: Ein einziges Werk im Grenzort sollte eine ganze Reihe umliegender Gemeinden beliefern – von Rheineck über Thal-Staad bis nach Balgach und Marbach. Mit dieser pionierhaften regionalen Erschliessung besass St. Margrethen auf einen Schlag die grösste Gas-Fernversorgung ganz Europas.
Ein grenzüberschreitendes Versorgungsnetz
Der durchschlagende Erfolg gab den Machern von Beginn an recht. Was mit einer Handvoll Gemeinden begann, entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem gigantischen Netz. Zwischen 1908 und 1927 dehnten sich die unterirdischen Rohrleitungen unaufhaltsam aus: Sie kletterten hinauf nach Heiden, Wolfhalden und Oberegg, schlossen den Rorschacherberg an und überquerten im Osten sogar die Landesgrenze bis nach Lustenau und Dornbirn im österreichischen Vorarlberg. In seiner Blütezeit mass das gesamte Rohrnetz stolze 234 Kilometer und zählte weit über 10'000 zufriedene Abonnenten.
„Ein grosses Wagnis im Rheintal – und für Jahrzehnte die grösste Gas-Fernversorgung Europas.“
Krisenjahre und tragende Säule der Landesversorgung
Doch die Geschichte der lokalen „Gasi“ war kein reiner Triumphzug. Die beiden Weltkriege brachten das Werk durch extremen Kohlenmangel und die damit verbundene Gasrationierung in schwere wirtschaftliche und logistische Bedrängnis. Trotz dieser dramatischen Rückschläge bewies das Gaswerk gerade während des Zweiten Weltkriegs seine enorme Lebensfähigkeit. Es entwickelte sich zu einer tragenden Säule der Schweizer Landesversorgung. Neben dem heiss begehrten Gas erfreuten sich auch die anfallenden Nebenprodukte wie Koks und Teer einer stetig wachsenden Wertschätzung im krisengebeutelten Land.