Unterricht nach Konfessionen getrennt
Heute ist es kaum mehr vorstellbar: Wer im 19. Jahrhundert in St. Margrethen zur Schule ging, tat dies streng nach Glaubensrichtung getrennt. Die katholische Schulgemeinde unterrichtete ihre Kinder im engen „Häuschen im Oberdorf“ – dem späteren Kindergarten –, während die Reformierten das Schulhaus im Unterdorf sowie ein zugemietetes Lokal im Wasen nutzten. Die personellen Ressourcen waren damals denkbar knapp verteilt: Lediglich drei evangelische Lehrer und ein einziger katholischer Lehrer teilten sich die gesamte Kinderschar des Ortes.
Die historische Schulverschmelzung
Der entscheidende Wendepunkt in der lokalen Bildungsgeschichte kam im Jahr 1903, als die politische Bürgerversammlung die bahnbrechende „Schulverschmelzung“ beschloss. Mit dem Ende des Schuljahres 1903/04 wurden die konfessionellen Schulen offiziell aufgehoben. Die neu gegründete, paritätische Schule nahm daraufhin mit zunächst vier Lehrern ihren gemeinsamen Betrieb auf und legte den Grundstein für ein modernes Miteinander.
Der moderne Schulpalast auf dem Rosenberg
Schnell wurde klar, dass die alten Lokale den Anforderungen nicht mehr genügten und aus allen Nähten platzten. Die Gemeinde handelte entschlossen und beauftragte den Rorschacher Architekten Albert Stärkle mit dem Bau eines neuen, modernen Schulpalastes auf dem Rosenberg. Als das stolze Rosenbergschulhaus im Jahr 1908 bezogen wurde, setzte es neue Massstäbe: Der monumentale Bau schlug inklusive Innenausstattung mit der damals stolzen Summe von rund 220'000 Franken zu Buche – eine grossartige und zukunftsweisende Investition in die Bildung der Rheintaler Jugend.
„Rund 220'000 Franken für die Zukunft der Jugend – ein mutiges Monument des Aufbruchs im Jahr 1908.“
Vom Wandel der Zeit zum modernen Bildungszentrum
In den folgenden Jahrzehnten spiegelte die Schule stets die bewegte Dorfgeschichte wider. Die Schülerzahlen stiegen vor dem Ersten Weltkrieg so rasant an, dass im Dorf und im Nebengraben kontinuierlich neue Lehrstellen geschaffen werden mussten, bevor sie in den wirtschaftlichen Krisenjahren der 1920er- und 30er-Jahre wieder spürbar sanken. Mit dem Bau der Turnhalle und des grossen Sportplatzes im Jahr 1939 wurde das Areal schliesslich zu dem modernen Bildungszentrum komplettiert, das bis heute Generationen von St. Margrether Schulkindern prägt.
Ein Meilenstein der St. Margrether Schulgeschichte
Der obige Zeitungsausschnitt aus der renommierten Zeitschrift „Schweizerfamilie“ dokumentiert die Geburtsstunde dieses prägenden Bauwerks. Bis zum 11. Mai 1908 war der Unterricht im Dorf stark fragmentiert: Die Schulklassen waren provisorisch auf fünf verschiedene Gebäude verteilt. Mit der Einweihung des repräsentativen Monumentalbaus auf dem Rosenberg erhielt die Gemeinde eine hochmoderne Bildungsinfrastruktur, die elf grosszügige Lehrzimmer bot – von denen acht sofort bezogen wurden.
Bemerkenswert ist auch der Ursprung dieses Dokuments: Die eingereichte Originalfotografie stammt aus der Feder von Jakob Ittensohn, dessen lokaler Postkartenverlag die Entwicklung von St. Margrethen in jenen Jahren wie kaum ein anderer bildlich festhielt. Dieses Stück Zeitgeschichte bildet das historische Fundament für die zahlreichen späteren Ansichten des Rosenberg-Areals, die sich ebenfalls in unserem Archiv befinden.