St.Margrethen · Geschichte

Das Mineralbad

Einst pilgerten Menschen aus ganz Europa nach St. Margrethen, um in den heilkräftigen Mineralquellen Linderung für ihre Leiden zu finden. Doch der Weg zum Kurerfolg war in den Anfängen ein äusserst abenteuerliches Unterfangen: Zwischen hölzernen Badewannen, einer Kuhschelle als Notruf und einem Badmeister, der das heisse Wasser eimerweise herantragen musste, glich der Kurbetrieb einer echten Geduldsprobe.

Gasthaus zum Bad zur Eröffnung des Heil-Mineral-Hallenbads
Gasthaus zum Bad zur Eröffnung des Heil-Mineral-Hallenbads, St.Margrethen — 1902 Kat.-Nr. S-0508

Vom Eisenbahnknotenpunkt zum Heilbad

Neben seiner Bedeutung als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt und Grenzort genoss St. Margrethen im 19. und frühen 20. Jahrhundert einen hervorragenden Ruf als beliebter Badeort. Bereits um das Jahr 1825 reisten Kurgäste, deren Lebenslust durch Krankheiten getrübt war, voller Zuversicht ins Rheintaler «Bad». Die hiesige Quelle gehörte zur seltenen Klasse der erdigen Stahlwasser. Die Heilwirkung dieses stark eisenhaltigen Wassers war weithin bekannt und schenkte Tausenden von geplagten Menschen neue Kraft und Genesung.

Kuhschellen und Holzzuber: Die abenteuerlichen Anfänge

So berühmt die medizinische Wirkung war, so abenteuerlich primitiv präsentierte sich anfangs der Komfort vor Ort. Die ältesten Dorfbewohner erzählten noch Jahrzehnte später von der ursprünglichen, hölzernen «Badehütte». Durch einfache Bretterwände in winzige Einzelkabinen unterteilt, stand in jeder Kammer lediglich ein riesiger, ovaler Holzzuber. Wollte der Badegast mehr warmes Wasser, musste er an einem Strick ziehen, der von der Decke führte. Dieser war mit einer echten Kuhschelle auf dem Dach verbunden – ein durchaus charmanter, wenn auch lautstarker Vorläufer der heutigen elektrischen Klingel.

„Eine Kuhschelle auf dem Dach und heisses Wasser im Eimer – so kurierte man sich im Rheintal vor zweihundert Jahren.“

Die Herausforderung mit dem Warmwasser

Das eigentliche Problem des frühen Badebetriebs war jedoch die Temperaturregulierung. Während das kalte Quellwasser über hölzerne Dachrinnen direkt in die Zuber floss, gestaltete sich die Zufuhr von heissem Wasser deutlich aufwendiger: Dieses musste vom Badmeister höchstpersönlich kübelweise aus dem gegenüberliegenden Haus herangeschleppt und von Hand in die Badewannen gefüllt werden.

Der Sprung in die Moderne

Bis zum Jahr 1925 hatte sich das Bad glücklicherweise grundlegend gewandelt und modernisiert. Aus den lottrigen Holzhütten von einst waren massive, einladende Steinbauten geworden. Die Kurgäste des 20. Jahrhunderts entspannten nun in schneeweissen, blitzblanken Badewannen, die mit modernen Kalt- und Warmwasserhahnen sowie elektrischem Licht ausgestattet waren. Hygienische Gummibeläge zierten die Böden und statt der alten Kuhglocke sorgte ein modernes elektrisches Läutwerk für den Service. Die Faszination für das heilende St. Margrether Wasser blieb über Generationen hinweg ungebrochen.

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