St.Margrethen · Geschichte

Das alte Kirchli

Als ältestes Kulturdenkmal von St. Margrethen wacht das „alte Kirchli“ seit rund tausend Jahren über das Rheintal. Seine Mauern erzählen eine faszinierende Geschichte von tiefem Glauben, jahrhundertelangem Teilen zwischen den Konfessionen und dem rasanten Wachstum eines einst kleinen dörflichen Idylls zu einem geschäftigen Industrieort.

Das alte Kirchlein
Das alte Kirchlein, St.Margrethen — 1924 Kat.-Nr. S-0571

Ein Jahrtausend Geschichte auf dem Hügel

Es ist das unbestrittene Wahrzeichen von St. Margrethen und eines der ältesten Gotteshäuser der gesamten Talschaft: das geschichtsträchtige „alte Kirchlein“ auf dem Hügel. Wann genau seine Grundmauern gelegt wurden, liegt im Dunkel der Geschichte verborgen – Historiker und Archäologen vermuten seine Entstehung jedoch im 10. oder 11. Jahrhundert, was es zu einem Jahrhunderte alten Zeugen der regionalen Entwicklung macht.

Das Simultaneum: Eine kuriose Glaubensgemeinschaft

Eine der aussergewöhnlichsten Phasen erlebte das Kirchlein nach der Reformation. Ab dem Jahr 1531 wurde es gemäss den Bestimmungen des Landfriedens von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt. Dieses sogenannte „Simultaneum“ führte zu einer pragmatischen, aber aus heutiger Sicht beinahe amüsanten Aufteilung der Pflichten: Während der allgemeine Unterhalt des Gebäudes Sache des gesamten Hofes war, mussten die katholischen Gläubigen ganz allein für den Chor, die Altäre und die Sakristei aufkommen. Erst im Jahr 1804 erbauten die Evangelischen eine eigene Kirche, woraufhin das alte Kirchli ganz in katholischen Besitz überging.

„Ein Jahrtausend im Wandel der Zeit – vom stillen Zeugen des Mittelalters zum geschützten Juwel des Rheintals.“

Der Boom der Industrialisierung und die neue Pfarrkirche

Wie rasant sich das Leben im Grenzdorf im Zuge der Industrialisierung entwickelte, zeigt ein eindrücklicher Blick auf die Bevölkerungszahlen. Zählte die katholische Gemeinde im Jahr 1849 gerade einmal 184 Seelen, war die Zahl bis 1910 bereits auf über 1400 Personen angewachsen. Das geliebte alte Kirchlein platze aus allen Nähten und war schlichtweg viel zu klein geworden. Schweren Herzens, aber voller Stolz, errichtete die wachsende Gemeinde deshalb in den Jahren 1909 und 1910 die neue, repräsentative Pfarrkirche im Rosenberg.

Rettung und Schutz eines historischen Juwels

Dass das historische Kirchli mit seinen kunstvollen Altären von 1665 und der prächtigen Barockfigur des Heiligen Georg bis heute erhalten blieb, grenzt an einen Glücksfall. In den Jahren 1930 bis 1932 wurde das wertvolle Baudenkmal unter der Leitung des St. Galler Architekten Johannes Scheyer umfassend und fachgerecht restauriert. Seither steht das historische Juwel unter dem verdienten, dauerhaften Schutz der Eidgenossenschaft und bleibt der Nachwelt als Wahrzeichen erhalten.

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