St.Margrethen · Geschichte

Johannes Brassel

Vom einfachen Steinbrecher im Steinbruch zum hochverehrten Reallehrer, gefeierten Redner und feinfühligen Dichter: Johannes Brassel (1848–1916) war zeitlebens ein treuer und leidenschaftlicher Sohn seines Bürgerortes St. Margrethen. Mit seinem unvergessenen Mundartgedicht „Mis Dörfli“ schuf der einflussreiche Chronist eine zeitlose und berührende Liebeserklärung an seine geliebte Heimat im Rheintal.

Gedenkkarte für Johannes Brassel († 1916) – Chronist von St. Margrethen
Gedenkkarte für Johannes Brassel († 1916) – Chronist von St. Margrethen, St.Margrethen — 1910 Kat.-Nr. S-0516

Der Lebensweg von Johannes Brassel, der am 22. Juli 1916 verstarb, fasziniert auch heute noch durch seine beeindruckende Willenskraft. Nach dem Besuch der Volksschule in St. Margrethen begann sein Berufsleben auf die denkbar härteste Weise: Er verdingte sich zunächst als Steinbrecher und Steinbruchschmied. Doch sein unbändiger Wissensdurst trieb ihn weiter. Er absolvierte die Realschule, besuchte das Lehrerseminar und schlug eine glänzende Laufbahn als Pädagoge ein. Als Kantons- und angesehener Reallehrer erlangte er vor allem in der Stadt St. Gallen, dem Hauptort seines Wirkens, grosse Berühmtheit.

Doch Brassel war weit mehr als nur ein vorbildlicher Lehrer. Er war in der ganzen Schweiz als glühender, hinreissender Redner hochgeschätzt und besass die seltene Gabe, die Menschen mit seinen Worten tief zu bewegen. Zudem war er ein begnadeter Sänger mit einer ausdrucksstarken, wohlgeformten Stimme.

„Mis herzig Dörfli dört am Rhi lit grad mitts uf der Welt. Der Herrgott het woll gwißt, wohi er Sammagretha stellt.“

Seine grösste und bleibende Leidenschaft galt jedoch der Poesie und der Heimat. Als Mundartdichter verfasste er Verse voll zeitlosem Reiz und reiner Eigenart, die vom echten, unverfälschten Schweizer Wesen getragen waren. Sein berühmtes Gedicht „Mis Dörfli“ beschreibt St. Margrethen voller Innigkeit als einen Ort, der „grad mitts uf der Welt“ liegt, eingebettet zwischen schattigen Wäldern, sanften Rebhängen, historischen Schlössern und dem in der Abendsonne glänzenden Bodensee. Wer Brassel kannte, ehrte ihn – und bis heute bleibt sein Name untrennbar mit der Kultur und der Seele von St. Margrethen verbunden.

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