Bahnhofshotels gibt es in fast jeder Schweizer Stadt – doch das Hotel Bahnhof in St. Margrethen erlangte durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs eine ganz besondere, europäische Berühmtheit. In einer Zeit, in der das Rheintaler Grenzdorf zum Schicksalort für Zehntausende Verfolgte und Flüchtlinge wurde, öffnete das Hotel Bahnhof unter der Leitung des engagierten Hoteliers Pius Zäch und seiner Gattin (Frau Zäch-Apostoli) seine Türen als sicherer Hafen.
Für unzählige dankbare Menschen aus allen Ländern Europas wurde der Aufenthalt im Hotel Bahnhof zu einem echten „Erholungstag“. Nach Jahren des Leidens, der Flucht und des Krieges fanden sie hier dank der sprichwörtlichen Schweizer Gastfreundschaft und Sauberkeit einen ersten Moment der Ruhe.
Die Spuren dieser bewegten Ära spiegeln sich eindrücklich im Gästebuch des Hauses wider – ein wahres „document humain“ (menschliches Dokument). Neben anerkennenden Worten von Generälen, Ministern und hohen Diplomaten der kriegführenden Staaten enthält es unschätzbare persönliche Widmungen. Ein besonderer Höhepunkt ist der Eintrag des berühmten Komponisten Richard Strauss: Er widmete der Hoteliersgattin am 10. Oktober 1945 handschriftlich die ersten Takte des Walzers aus seiner weltbekannten Oper «Der Rosenkavalier» als Autogramm.
„Ein Schweizer Tag ... ein schöner Tag, an dem das Gästebuch zum Dokument der erlösten Menschlichkeit wurde.“
Doch die wohl emotionalsten Zeilen stammen von einer Mutter. Sie widmete dem Hotel ein rührendes Gedicht, nachdem sie dort – mitten im Chaos der Nachkriegszeit – ihre totgeglaubte, einst von der Gestapo entrissene Tochter im erwachsenen Alter wiedersehen durfte.
Das hervorragend geführte Hotel, das damals über 25 Betten mit fliessendem Wasser, Zentralheizung, Bäder und Garagen verfügte, war bekannt für seine erstklassige Küche. Vor allem aber bleibt es durch das Gästebuch und das unermüdliche Wirken des Ehepaars Zäch als ein zeitloses Ehrenbuch der Menschlichkeit in Erinnerung.