St.Margrethen · Geschichte

Die Gasi

Im Jahr 1902 gewagt und 1903 in Betrieb genommen, war das Gaswerk St. Margrethen ein technischer Meilenstein von europäischer Tragweite. Als grösste Gas-Fernversorgung des Kontinents in einer rein ländlichen Gegend gestartet, versorgte die „Gasi“ über ein gewaltiges Rohrnetz schliesslich Gemeinden im Rheintal, im Appenzellerland und sogar im Vorarlberg.

Die „Gasi“ (Gasfabrik) im Originalzustand mit Gasometer
Die „Gasi“ (Gasfabrik) im Originalzustand mit Gasometer, St.Margrethen — 1910 Kat.-Nr. S-0613

Der Bau des Gaswerks St. Margrethen im Jahr 1902 war für die damalige Zeit ein geradezu unglaubliches Wagnis. Während Gaswerke damals fast ausschliesslich grosse Städte versorgten, ging man im Rheintal einen revolutionären Weg: Ein einziges Werk im Grenzort sollte eine ganze Reihe umliegender Gemeinden beliefern – von Rheineck über Thal-Staad bis nach Balgach und Marbach. Mit dieser pionierhaften regionalen Erschliessung besass St. Margrethen auf einen Schlag die grösste Gas-Fernversorgung ganz Europas.

Der Erfolg gab den Machern recht. Was mit einer Handvoll Gemeinden begann, entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem gigantischen Netz. Zwischen 1908 und 1927 dehnten sich die Rohrleitungen unaufhaltsam aus: Sie kletterten hinauf nach Heiden, Wolfhalden und Oberegg, schlossen den Rorschacherberg an und überquerte im Osten sogar die Landesgrenze bis nach Lustenau und Dornbirn im österreichischen Vorarlberg. In seiner Blütezeit mass das gesamte Rohrnetz stolze 234 Kilometer und zählte weit über 10'000 Abonnenten.

„Ein grosses Wagnis im Rheintal – und für Jahrzehnte die grösste Gas-Fernversorgung Europas.“

Doch die Geschichte der Gasi war kein reiner Triumphzug. Die beiden Weltkriege brachten das Werk durch extremen Kohlenmangel und die damit verbundene Gasrationierung in schwere Bedrängnis. Trotz dieser dramatischen Rückschläge bewies das Gaswerk gerade während des Zweiten Weltkriegs seine enorme Lebensfähigkeit. Es wurde zu einer tragenden Säule der Schweizer Landesversorgung – und neben dem heiss begehrten Gas erfreuten sich auch die Nebenprodukte wie Koks und Teer einer stetig wachsenden Wertschätzung im krisengebeutelten Land.

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