Es ist das unbestrittene Wahrzeichen von St. Margrethen und eines der ältesten Gotteshäuser der gesamten Talschaft: das „alte Kirchlein“ auf dem Hügel. Wann genau seine Grundmauern gelegt wurden, liegt im Dunkel der Geschichte verborgen – Historiker vermuten seine Entstehung im 10. oder 11. Jahrhundert.
Eine der kuriosesten Phasen erlebte das Kirchlein nach der Reformation. Ab 1531 wurde es gemäss den Bestimmungen des Landfriedens von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt. Dieses sogenannte „Simultaneum“ führte zu einer pragmatischen, aber heute beinahe amüsanten Aufteilung der Pflichten: Während der allgemeine Unterhalt Sache des Hofes war, mussten die katholischen Gläubigen ganz allein für den Chor, die Altäre und die Sakristei aufkommen. Erst im Jahr 1804 erbauten die Evangelischen eine eigene Kirche, und das alte Kirchli ging schliesslich ganz in katholische Hände über.
„Ein Jahrtausend im Wandel der Zeit – vom stillen Zeugen des Mittelalters zum geschützten Juwel des Rheintals.“
Wie rasant sich das Leben im Grenzdorf im Zuge der Industrialisierung entwickelte, zeigt ein Blick auf die Bevölkerungszahlen. Zählte die katholische Gemeinde im Jahr 1849 gerade einmal 184 Seelen, war die Zahl bis 1910 bereits auf über 1400 angewachsen. Das geliebte alte Kirchlein war schlichtweg viel zu klein geworden. Schweren Herzens, aber voller Stolz, errichtete die Gemeinde deshalb in den Jahren 1909/1910 die neue, grosse Pfarrkirche im Rosenberg.
Dass das historische Kirchli mit seinen kunstvollen Altären von 1665 und der prächtigen Barockfigur des Heiligen Georg bis heute erhalten blieb, grenzt an ein Glücksfall. In den Jahren 1930 bis 1932 wurde das historische Juwel unter der Leitung des St. Galler Architekten Johannes Scheyer umfassend restauriert und steht seither unter dem verdienten, dauerhaften Schutz der Eidgenossenschaft.